Sushi-Abend am Altar

Das Sushi liegt auf glattschwarzen Schieferplatten,vierzehn Menschen sitzen an der japanischen Essenstafel gleich an der Altarstufe der Michaeliskirche. Im Licht der mattweißen Kerzenschalen essen alle zusammen, tauschen sich aus.

Die Altartreppe schmiegt sich als Sitzgelegenheit an den für die japanische Esskultur typisch niedrigen Tisch. Aus alten hölzernen Gerüstbohlen und roten Ziegelsteinen aus der Kirchenscheune, ein paar Kissen und einfachen Umzugsdecken ist die atmosphärische Tafel entstanden.

Schuhpaare stehen vor dem Altar, in Socken und mit Sushi-Stäbchen, entdecken einige auch zum ersten Mal die gerollte Reisspezialität. Die bunten Nigiri und Maki hatten alle vorher zusammen mit Noriko gerollt und angerichtet, gar nicht so einfach und echte Handarbeit. Noriko hatte bei einem Workshop erklärt, wie man den Reis für Sushi richtig kocht und wie man die gefüllten Algenblätter richtig schneidet. Auch wenn nicht jede Rolle perfekt wurde, das gemeinsame Ausprobieren von etwas Neuem war eine schöne Gelegenheit sich kennenzulernen, auszutauschen, zu quatschen und zu lachen.

Nach diesem gemeinsamen Kochkurs, ist das Eis an der gemeinsamen Tafel am Altar längst gebrochen. Die Gespräche sind intensiv. Die Neustädter*innen interessiert der Gedanke der Umnutzung und sie erzählen, was ihnen fehlt, was sie sich vorstellen könnten, wenn sich die Kirche als Ort für mehr Programm und neue Formen der Begegnung öffnet, wie Musikunterricht oder Abende wie diesen.

Dann stehen zwei Wanderinnen in der Kirchentür, blicken neugierig hinein. Die zwei Frauen aus Erfurt und Berlin machen eine Rennsteigtour, wollten die Kirche ansehen, und gesellen sich spontan dazu und freuen sich das Sushi zu genießen. Unverhofft ist die Michaeliskirche gleich ein wenig zur Her(r)bergskirche geworden, wir freuen uns auf mehr…

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